Hofmeister

Wir sind bekannt als Problemkiez, als sozialer Brennpunkt in dem Bildungsdefizite auf Gewalt treffen und wir sind, vielleicht etwas weniger, als Kiez im Umbruch bekannt, an Hand dessen, sich wunderbar über Gentrifizierungstendenzen streiten lässt.

Das aber auch hier verliebte Herzen pochen, Liebespaare den Beziehungstango tanzen und Herzschmerztränen geweint werden, dass die Liebe mal leise, mit schüchternen Blicken daher kommt, zum Opfer von Sprachlosigkeit wird oder dass eine große romantische Geste die Liebe neuentfacht, dass spielt eigentlich keine große Rolle.

Würde nicht das Maxim Gorki Theater den Neuköllner Liebesgeschichten im Mai eine Bühne bieten.

Die Autorin Anne Jelena Schulte sammelt in der Schreibpraxis Pannierstraße 55 Geschichten neuer und alter, verflossener und nie gelebter Lieben. Diese werden zum Drama und von Schauspielern des Maxim Gorki Theaters jeden Abend um 19°° Uhr auf der Pannierstraße aufgeführt. Jeden Tag eine neue Geschichte, jeden Abend ein neues Drama, bis Ende Mai, die komplette Kreuzung, da wo sich Pannierstraße und Weserstraße treffen, bespielt wird.

In der Geschichte der Premiere erzählt eine alte Dame von einem Leben mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann, der seine erste Liebe auf der Gustloff verloren hatte. Sie hatte ihn geliebt, bei ihm, da war sie sich nie so sicher. Die Geschichte ist vielleicht eine der vielen, in denen Menschen eine fast 50 Jahre währende Beziehung führen, weil man das eben so macht. In der das Schweigen angefüllt ist von all den Dingen, die nie gesagt wurden, in der jeder seine Aufgabe hat und die öffentliche Präsenz des Paarseins in der Mitgliedschaft eines Karnevalvereins liegt. Nach dem Tod ihres Mannes findet sie einen neuen Mann. Sie liebt ihn nicht, doch bei ihm ist sie sich nicht so sicher.

„Give me your Love“ ist Teil des Projektes „Die Hofmeister“ welches versucht, ein Portrait des Reuterkiezes mit theatralischen Mitteln zu schaffen.

„Die Hofmeister“ von Lenz bietet die Modellvorlage, denn im Mai soll im Laufe des Projektes eine Dynamik entstehen, in der jeder von jedem lernen kann, in der die starren Grenzen des Lehrenden und des Lernenden aufgebrochen werden.

Neben den Liebesgeschichten, soll eine alternative Akademie entstehen, in der jeder anderen beibringen kann, was er gut kann und im „Freies Neukölln“ treffen Experten einmal wöchentlich zusammen, um Neuköllns relevante Themen zu diskutieren.

Im Juni werden die Geschichten, Erfahrungen und Gesichter des ersten Akts, auf der Bühne des Maxim Gorki zu einem Theaterstück montiert. Aus Straßentheater wird im zweiten Akt Theaterstraße.

Wirklich spannend wird das Projekt, wenn sich die Anwohner angesprochen fühlen und mitagieren. Wenn über die Begegnung von Kiezbewohnern und Theaterleuten Kommunikation entsteht und eine künstlerische Auseinandersetzung aller mit dem Ich im Umfeld.

Herzausschütten: jeden Tag Pannierstraße 55 bei Anne Jelena Schulte

taz blogs

Elisabeth Wirth

Premiere 

16. Mai 2011

Maxim Gorki Theater 

Berlin Neukölln 

 
Presse

"Anders als in der Komödie "Hofmeister" von Jakob Michael Reinhold Lenz, die diesem Projekt den Namen gibt und vor 230 Jahren auch Spiegel einer umbrechenden Gesellschaft war, finden hier die vielfältigen Perspektivwechsel tatsächlich statt. Denn jeder wird hier zum "Hofmeister", also zum Lehrer, der umlernen muss, also auch zum Schüler. Jeder muss von jedem lernen, und so wird der Rollentausch die große Lehreinheit und Stärke dieses Abends."

 

Berliner Zeitung

 

 

 

"Für 30 Schüler des Campus Rütli ist das Klassenzimmer zur Bühne geworden. Sie erkunden mit dem Gorki-Theater ihre Gefühle – und ihren Kiez."

 

Tagesspiegel